Donnerstag, 14. Mai 2015

Anklage: Sterbehilfe - Martina Rosenberg

AUTOR Martina Rosenberg GENRE Sachbuch
 ERSCHEINUNGSJAHR MRZ 2015 SPRACHE deutsch
SEITEN 240 PREIS 15,99 EUR 
MEDIUM eBook VERLAG Blanvalet Verlag
Inhalt

Martina Rosenberg erzählt die Geschichte eines 26-jähren jungen Mannes, der seine Mutter getötet hat. Diese lag seit sieben Jahren im Wachkoma. Ein Sohn der das Leiden seiner Mutter nicht mehr ertragen konnte. Von Ärzten, Behörden und der Politik im Stich gelassen, fällt er eine Entscheidung die sein Leben und das seiner Umwelt nachhaltig beeinflussen wird.

Meine Meinung

Vorab möchte ich sagen das dies ein überaus schwieriges Thema ist um das es hier geht. Jeder mag dazu seine Meinung haben. Es geht mir daher nur um das Buch und nicht darum (m)eine Meinung zu publizieren. Sollte sich also jemand aufgrund meiner Rezension zu diesem Buch auf den Schlips getreten fühlen, tut mir das leid. 

Ich finde das Thema Sterbehilfe sehr schwer zu behandeln. Es ist in unserer Gesellschaft ein wichtiges aber tabuisiertes Thema. Umso interessanter fand ich es hier die Mögichkeit zu haben einen Bericht zu genau diesem Thema lesen zu dürfen.

Das Buch liest sich gut und flüssig was am Schreibstil der Autorin liegt. Obwohl natürlich einiges an Fachbegriffen aus der Klinikwelt aufgegriffen wird, habe ich alles verstehen können, was an den guten Erklärungen lag. Dafür ein großer Pluspunkt. Der Autorin gelingt es den jungen Mann mit Ecken und Kanten vorzustellen. Man lernt ihn, seinen Werdegang und den langen Weg der Erkrankung seiner Mutter kennen. Man lebt und leidet mit ihm und ist genauso machtlos wie er. Es kommt einer Ohnmacht gleich.

Man wird als Leser zum Nachdenken gezwungen. In mir kamen Gedanken hoch wie "Benötige ich eine Patientenverfügung?" oder "Deckt ein Testament sowas ab?". Wenn man nicht in der Materie ist, kommen plötzlich viele Fragen auf. Die eigentliche Frage ist: Was wünsche ich mir für mich und meinen Körper im Falle von ...? Eine Antwort darauf zu finden ist bestimmt nicht leicht, aber nach dieser Lektüre, kann ich für mich nur sagen, dass ich eine Patientenverfügung habe. Keiner denkt gerne über den Tod nach aber im Falle dessen das ich seit Monaten nur an Geräten angeschlossen bin - an Jahre mag ich gar nicht denken - möchte ich es meinen Angehörigen so leicht wie möglich machen, mit der Situation umzugehen und ich für meinen Teil denke, dass es nicht die Aufgabe eines Anderen sein sollte über meinen Tod oder mein Leben zu entscheiden - denn es ist eben MEIN Leben. Der hier vorliegende Fall zeigt klar und deutlich das man ohne entsprechende Papiere gar nichts machen kann. In dem hier vorliegenden Fall durchläuft die Patientin die Therapie und Reha bis sie am Ende austherapiert ist und...ja was eigentlich? Darauf wartet zu sterben? Ein Erwachen ist eher unwahrscheinlich aber könnte es nicht sein das sie aufwacht?

Alles Fragen auf die keiner eine Antwort weiß. Ein Profi der mit diesem Thema vertraut ist wird das Buch einseitig finden, weil nur die Geschichte des Sohnes dargelegt wird aber nachdem ich das Buch ausgelesen hatte, stellte sich mir die Frage: Hätte ich nicht irgendwo tief in mir drin genauso gehandelt? Hätte ich gewollt das meine Mama, eine ebenso lebenslustige Frau wie diese hier es war, für immer da liegt und eigentlich nur noch existiert weil Maschinen alles für sie übernehmen? Hätte meine Mama das gewollt? Anderseits: Hätte ich sie töten können? Hat ein Patient eine Verfügung erlassen können nach bspw. 30 Tagen oder Monaten die Geräte abgestellt werden und der Patient sterben. Wenn der Patient aber im Wachkoma ist und diese Entscheidung nicht mehr treffen kann, warum darf ich als Tochter/Sohn das nicht tun?

Martina Rosenberg schreibt einen aufwühlenden Bericht über einen Sohn der seine Mutter, die er sehr geliebt hat, getötet hat. Ist das Recht? Ist das Mord? Wo fängt hier moralisch und ethisch Sterbehilfe an und wo hört sie auf und wird zu einem Mord?

Fazit

Wie gesagt ein Buch das aufwühlt und nachdenklich stimmt. Man denkt über seine eigene Sterblichkeit nach und das was man vorab vielleicht tun kann um es der Umwelt leichter zu machen. Irgendjemand hat mal gesagt "Eine Beerdigung ist nicht für die Toten. Sie ist für die Hinterbliebenen. Jene die zurück bleiben und den Abschied brauchen". Vielleicht ist es mit der Patientenverfügung und der Sterbehilfe genauso. Am besten selbst lesen und schauen welche Sichtweise man zu diesem schwierigen Thema hat.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen