Mittwoch, 27. Januar 2016

Living Dead Girl - Elizabeth Scott

AUTOR Elizabeth Scott GENRE Roman
ERSCHEINUNGSJAHR AUG 2009 SPRACHE englisch
 SEITEN 176 PREIS 7,36 EUR
MEDIUM eBook VERLAG Simon & Schuster 

Inhalt

Alice ist zehn Jahre alt als sie bei einem Schulausflug von dem Pädophilen Ray entführt wird. Fünf Jahre später ist Alice aufgrund von Misshandlungen und Missbrauch gebrochen. Alice möchte nach den qualvollen Jahren nur eines: sterben um frei sein zu können. Ray spricht immer öfter von ihrem Tod und Alice sieht ihren Wunsch schon in greifbarer Ferne. Aber Ray hat etwas viel Schlimmeres für seine Alice im Sinn als den Tod.

Meine Meinung

Dieses Buch hat vom Verlag eine Altersempfehlung ab 16 Jahren, die ich nur unterstützen kann.

Ein scheinbar harmloses Buch von nicht einmal 180 Seiten länge. Aber diese Geschichte hat es wirklich in sich. Alice erzählt uns ihren Leidensweg in schnörkeloser, schlichter Sprache. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und erzählt uns alles. Von ihrer Familie - zumindest das was sie noch weiß - und von Ray. Von der Entführung und vom Missbrauch. Diese Erlebnisse sind so eindringlich erzählt worden, dass ich so manche Träne für Alice vergossen habe. 

Ich habe Ray gehasst. Tue es auch jetzt noch. Immer wieder kam die Frage hoch wie ein Mensch so etwas tun kann. Ray mag unweigerlich krank sein, aber das rechtfertigt gar nichts. Er hat sich Alice so erzogen wie er sie haben wollte. Sie isst wann und was Ray ihr vorgibt. Sie duscht wenn Ray ihr dies erlaubt. Sie hat ihre Liebe zu ihm zu bezeugen, wenn er dies verlangt. Sie wird bestraft, wenn sie nicht Folge leistet. Sie fürchtet um ihre Familie - auch wenn die Erinnerung an sie verblasst. Sie bleibt bei Ray damit ihre alte Familie leben kann. Das ist wirklicher harter Tobak. 

Alice ist psychisch gebrochen. Fünf Jahre ist sie schon bei Ray und wurde nach seinen Vorstellungen geformt. Anhand ihrer Erzählungen versteht man sie und ihre Gefühle. Man denkt manchmal, wenn du nicht fliehen kannst, bring dich um - aber dann würde Ray zu ihrer alten Familie fahren und diese umbringen. In den Augen von Alice ist Ray vermutlich so etwas wie ein Gott - nicht jedoch der mit Licht und Liebe, sondern eher eine dunkle Version, die ihr Leben beherrscht und bestimmt.

Alice versucht ihr Leben in kleinen Versen zu beschreiben. Ich fand diese manchmal schon bedrückender als manche brutale Szene im Buch. Ich konnte mich sofort auf Alice und ihre Geschichte einlassen. Zu sagen das ich mich mit ihr identifizieren konnte, wäre nicht richtig, da ich ihre Situation nur begrenzt nachempfinden kann. Aber den Hass, die Angst, die Wut und die Hoffnung auf Erlösung konnte ich nachempfinden. Ich konnte verstehen, dass sie gewisse Pläne von Ray ausführt nur um ihrem Ziel näher zu kommen, wie krank diese Gedanken und Handlungen auch sein mochten.

Die Charaktere sind wirklich komplex beschrieben worden und auch die Umgebung und fremde Menschen, die Ray und Alice für Vater und Tochter halten, sind realistisch dargestellt. Oft keimte die Frage in mir auf ob wir denn wirklich so blind durch die Welt gehen?! Die Zeitungen lehren uns: leider ja.

Das Ende war zum Teil zu erwarten. Aber trotzdem hat es mich irgendwie im Schock und unter Tränen zurückgelassen. Man denkt sich "Nein, so kann es doch nicht enden." Aber eigentlich doch. Es konnte nur so und nicht anders enden. 

Ich habe das Buch bewusst auf englisch gelesen - ich meine es ist auf deutsch noch nicht erhältlich - um es im Original lesen zu können. Obwohl ich nicht fließend englisch sprechen/verstehen kann, war dieses Buch sehr leicht zu lesen. Dies liegt vermutlich daran, dass es eher für ein jüngeres Publikum (ab 16 Jahren) empfohlen wird. Wer also ab und an mal ein Buch auf englisch liest/gelesen hat, wird hiermit gut zurechtkommen.

Fazit

Eine wirklich packende und verstörende Geschichte über ein entführtes Mädchen und ihrem Alltag mit ihrem Peiniger Ray. Auf jedenfall lesen! ABER: Nichts für Zartbesaitete und Leser denen Geschichten dieser Art generell nicht so ganz zusagen. 

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